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Erfahrungen einer männlichen C-Jugend in der Corona-Zeit

Die Saison 2019/2020 in der männlichen C-Jugend-Bezirksklasse des Handballbezirks Stauferland ging bereits ihrem Ende
zu. Die „Vorwehen“ der Corona-Pandemie zeigten sich schon vor unserem vorletzten Rundenspiel am 8. März 2020 gegen die HSG Bargau-Bettringen. Zu diesem Zeitpunkt herrschte Unsicherheit, ob die Saison noch zu Ende gespielt werden kann. Die männliche C-Jugend der JSG Göppingen gewann dieses Spiel gegen den bis dorthin noch ungeschlagenen Tabellenführer mit 32:26 – ein unglaubliches Spiel. Spannend, auf hohem Jugend-Niveau und mit vielen lautstarken Fans von beiden Mannschaften in der Parkhaushalle. Der Sieg wurde gefeiert – auch noch lange Zeit nach dem Spiel. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass es auch unser letztes Wiedersehen bei einem Spiel und sogar
Training für eine längere Zeit sein sollte. Danach ging alles sehr schnell. Unser letztes Rundenspiel in der EWS Arena gegen Frisch Auf Göppingen-  angesetzt auf den 15. März – wurde abgesagt.
Auf diesen Tag hatten wir auch unser Saisonabschluss-Fest in Holzheim vorbereitet. Alle Spieler, alle Eltern, Trainer und Vereinsverantwortlichen wollten unsere tolle Saison gemeinsam feiern und mit einem schönen Essen
würdigen. Schlussendlich auch für uns Trainer etwas Wichtiges, denn auch die Trainer brauchen das Feedback des Vereinsumfeldes, dass gute Arbeit geleistet wird. Auch diese Veranstaltung mussten wir dann „schweren Herzens“ absagen. Wir konnten unsere Spieler und das gesamte Mannschaftsumfeld nach dem letzten Spiel am 8. März nicht mal mehr richtig in eine noch unbestimmte Pause verabschieden. Das war „hart“ für alle, aber vor dem Hintergrund der Entwicklungen natürlich verständlich.

Nach einer kurzen Phase des Stillstands beschlossen das Trainerteam der JSG Göppingen via Videokonferenzen, dass es nicht nur unsere Aufgabe ist, Handball beizubringen und zu verbessern. Vielmehr wurde uns klar, dass wir gerade in dieser schweren Phase auch ein „virtueller Ort“ für Heimat, Sicherheit und „Aufgehobensein“ für die Jungs sind. So lancierten wir das „JSG-Power Online Training“, das jeder Spieler individuell absolvieren konnte.
Zu diesem Training gehörte ein virtueller Klassenraum, in dem ein Übungsprogramm zu den Themen Rumpfstabilisierung, Sprungkraft und Körperkoordination regelmäßig eingestellt wurde. Noch stärkeren Zuspruch
erfolgte jedoch über unsere App, die wir auf Lauftraining ausgerichtet hatten, um die individuelle Kondition eines jeden Spielers möglichst hoch zu halten. So hatten auch wir Trainer einen ständigen Einblick in die sportlichen Aktivitäten
unserer Spieler und konnten motivierend einwirken und Tipps geben. Doch der emotionale Aspekt dieser Aktionen war wesentlich wichtiger als der sportliche.
Die Botschaft war deutlich: „Die JSG Göppingen hält zusammen – auch in schweren Zeiten.“ Verfolgte man parallel die Diskussionen im Fussballprofi-Geschäft, wo lamentiert wurde, dass nur noch Teile von Millionengehältern für Spieler
gezahlt werden konnte, so mussten wir schon „mit dem Kopf schütteln“.

Ab dem Juni war dann ein Training mit Abstand und weiteren Regeln möglich, das wir auch unseren Hygiene- und Corona-Verantwortlichen in den Vereinen zu verdanken haben. Das war teilweise viel Arbeit und Mühsal, denn
es war uns stets sehr wichtig, das Corona-Thema ernst zu nehmen und alle gültigen Regeln einzuhalten. In dieser Zeit verstärkten wir unsere Bemühungen im individuellen Training und der Verbesserung der individuellen Kompetenzen
unserer Spieler. Dazu gehörten Wurftechnik-Schulungen (Schlagwurf-/Sprungwurfvarianten), gezielte Trainings zur Körperkoordination und Sprungkraft-Updates. Nun nahm der sportliche Aspekt langsam auch wieder an
Bedeutung zu. Dennoch auch hier: In einer Phase, in der die Jugendlichen nur 1-2 Tage Schule in der Woche hatten und zudem deutlich beschränktere Möglichkeiten, in der Öffentlichkeit aktiv zu sein, war dieser geschützte Raum
bei der JSG Göppingen von wichtiger Bedeutung.

Nun ist seit einiger Zeit wieder nahezu „richtiges“ Training möglich, wobei in einem Kontaktsport wie Handball, der Faktor „Corona“ noch nachwirkt und in den Köpfen der Spieler und Trainer noch da ist. Gemeint ist dies jetzt aus mentaler Sicht, weniger aus der Sicht der korrekten Einhaltung der aktuellen Regeln.

Am 23. Juli und kurz vor Beginn der Sommerferien hatten wir nun den Startschuss zu unserer Beachhandball-Trainingsrunde gegeben. Dazu hatten wir Alex Gehrer – ehemaliger Beachhandball-Nationaltrainer und noch sehr
aktiv am Thema dran – zu uns nach Holzheim eingeladen. Auch hier wurden zunächst individuelle Fähigkeiten trainiert (Kempa, Spin-Shoot) bevor auf kollektive Abläufe übergegangen wurde. Beach-Handball ist für uns doch
einigermaßen Neuland. Alex Gehrer hat uns Trainer dann nach dem Training davon überzeugt, dass Beachhandball sehr wohl eine sinnvolle Komponente im Sommer ist, um sich auch auf die Hallenrunde vorzubereiten. Das schnelle Tempospiel beim Beachhandball und der dazu erforderliche „schnelle Blick“ für den „freien Mann“ sind Aspekte, die gerade uns von der JSG Göppingen ansprechen, heißt doch unser Slogan „Jugendhandball mit Power“. So haben wir geplant, in den Trainingscamps in den Sommerferien dem Beachhandball Raum zu geben und gemeinsam mit Alex Gehrer nochmals einige handballerische Details zu intensivieren.

Die neue Hallensaison steht „vor den Toren“ – wir sind gut gerüstet. Der Zulauf neuer Spieler bleibt ungebrochen und wir hoffen, dass wir in der Lage sind, auch zukünftig die Trainingsqualität hoch zu halten. Auch konnten wir über die Fortführung von Training und v.a. Kommunikation in der Corona-Zeit den ganzen Trainerstab beieinander halten. Rückblickend bleibt zu sagen, dass es aus unserer Sicht wichtig ist, gerade in schweren Phasen, die Frage „Warum machen wir das eigentlich?“ mal wieder zu stellen und gemeinsam im Trainerstab zu beantworten. Dies fördert den Zusammenhalt und motiviert alle „an der Sache dran zu bleiben“. Bei der JSG Göppingen ist dabei deutlich
geworden, dass es auch um Leistung geht – natürlich. Auch wir möchten gerne oben in der Tabelle stehen. Doch zumindest ist Jugendhandball bei der JSG Göppingen deutlich mehr. Nämlich Zusammenhalt, Heimat und Spaß haben. Jürgen Klopp würde wohl sagen „JSG Göppingen is a feeling“. Dazu gehört bei uns auch, möglichst alle Beteiligten im Umfeld unserer Mannschaft aus einer passiven Haltung herauszuholen. Wenn dies gelingt, so kommt die handballerische Leistung häufig fast von allein.

Michael Hohlbauch, Trainer C-Jugend